Angedacht

Liebe Leserin,

lieber Leser,

 

alles umsonst, vergeblich, nicht der Mühe wert! Wir kennen das. Im Ringen um eine Beziehung. Im Aufopfern für eine Aufgabe. Im Lernen für eine Prüfung. Im Kämpfen für eine Vision. Alles umsonst, alles vergeblich! Wir sind enttäuscht. Wir ziehen uns zurück. Wir zweifeln an uns selbst oder auch an Gott. Und je häufiger wir es erleben, desto weniger Vertrauen haben wir in das Leben und die Zukunft.

 

Alles umsonst! Einigen Jüngern mag es ähnlich gehen, als sie erleben, wie Jesus gekreuzigt wird. Sie hatten ihren Beruf aufgegeben, ihre Familien verlassen um Jesus nachzufolgen, weil er ihren Durst nach Leben und ihren Hunger nach Sinn sah und stillte. Doch dann scheint alles zu Ende. Die Vision, dass ein anderes Leben möglich ist, wird durch den Tod Jesu zerstört. Als sie traurig und verunsichert das Weite suchen, holt sie die Nachricht ein: Er - Jesus - ist auferstanden! Sollte das möglich sein? Und was heißt das für ihr Leben? Wenig später zeigt sich Jesus selbst den Jüngern und Jüngerinnen. Er zeigt sich durch den Tod hindurch und das nicht nur einmal, sondern immer wieder als Quelle des Lebens.

 

An Ostern feiern wir das auf vielfältige Art. Die Osterbrunnen erzählen von dieser Quelle des Lebens ebenso wie der alte Brauch, in der Osternacht zu taufen. Was diese Botschaft bedeutet, wird für mich persönlich am Eindrücklichsten in der Tauferinnerung der Osternacht erfahrbar. Nach dem Hereintragen des Osterlichts in die dunkle Kirche, nach dem Verlesen des Osterevangeliums bin ich eingeladen, nach vorne an den Taufstein zu kommen. Ich werde an meine eigene Taufe erinnert, die davon erzählt, dass mein Leben im Zeichen des neuen Lebens steht, das uns durch die Auferstehung Jesu gegeben ist. Ich höre, wenn Leid dich quält, wenn du am Ende bist und nicht mehr weiter weißt, wenn die Kraft nicht reicht, wenn alles vergeblich scheint, dann erinnere dich und sage: „Ich bin getauft!“ Ein Wasserkreuz wird mir durch die Hand des Liturgen auf die Stirn gezeichnet. Ich spüre für einen Moment die lebendige Frische des Wassers und in mir wächst das Vertrauen: Aus dieser Quelle kann ich immer wieder schöpfen.

 

In diesem Jahr möchte ich mir das ganz bewusst immer wieder selbst zusagen: „Ich bin getauft!“. Die Jahreslosung lädt mich dazu ein: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ (Offb 21,6). Der Seher Johannes spricht diese Worte den verfolgten Christen Kleinasiens zu. Euer Bekenntnis zu diesem lebendigen Christus ist nicht vergeblich, auch wenn ihr gerade allen Grund habt, daran zu zweifeln. Die Quelle des Lebendigen wird nicht versiegen, Gott wird abwischen alle Tränen, er wird euren Durst nach Leben stillen, er macht alles neu und das ganz „umsonst“ im Sinn von „einfach so“. Ich muss nichts dafür tun. Ich brauch edarum nicht zu kämpfen. Ich muss dafür nicht bezahlen. Im Gegenteil: Ich werde beschenkt.

 

Ist das nicht schön?

 

Ihre

 

Susanne Ohr