Angedacht

Liebe Leserin,

lieber Leser,

 

Ob es Ihnen auch so geht wie mir? Wenn ich an einem Lavendel vorbeikomme, oder einem Rosmarin, dann muss ich ihn unbedingt berühren, mit meinen Händen rein greifen und den herrlichen Duft an den Händen genießen. Zu herrlich ist dieser Duft!!!

 

Eigentlich sieht man es den beiden Sträuchern gar nicht an, dass sie so wunderbar duften: die Blüten sind verhältnismäßig klein und unspektakulär. Aber wenn man es weiß ... und es wissen viele: Dieses Jahr eröffnete einer der ortsansässigen Discounter das Gartenjahr im Februar (!) nicht etwa mit Primeln oder Narzissenzwiebeln, nein: Salbei-, Rosmarin- und Lavendelstämmen gab es da. Der Duft des Sommers, der Lebensfülle mitten in der Winterkälte! Und glauben Sie mir: ich war wirklich nicht die einzige, die leise die Hand ausstreckte und den Duft genoss und für einen Moment abtauchte in das leuchtende Licht eines Sommertages.

 

Ob Sie es mir nun glauben oder nicht – auch dazu hat Martin Luther etwas gesagt. Es gibt von ihm ein Kräuter- „Bonmot“. Vielleicht haben Sie es sogar schon im Gesangbuch entdeckt? „Die Schrift ist ein Kräutlein, je mehr du es reibst, desto mehr duftet es“. Der Schrift sieht man es vielleicht auch nicht an, aber in ihr steckt der Duft der Lebensfülle wie eben in den heilsamen Kräutern. Freilich, man sollte es wissen und fleißig reiben. Mit der Bibel ist es wie mit den Kräutern: Im Vorübergehen, da weht einen höchstens eine leise Wolke Lavendel-oder Rosmarinduft an, da bekommen wir vielleicht eine kleine Ahnung, die schnell wieder verweht. Aber man kann ja reiben ... Ob Sie so lustvoll die Schrift reiben, wie einen Lavendel oder Rosmarin? Gleich „reingreifen“, kaum dass Sie die Schrift sehen? Und so einen Moment abtauchen in die duftende Lebensfülle, und das mitten im zuweilen recht „kalten“ Alltag?

 

Martin Luther und der Reformation war die Bibel und die persönliche Schriftlesung unendlich wichtig. Die Schrift war die Grundlage und Richtschnur schlechthin. Vielleicht muss es sich wieder herumsprechen, dass die Schrift wie ein Kräutlein gerieben, herrlich duftet vom Leben, von der Fülle... Dann wäre es uns auch selbstverständlicher, was Papst Franziskus gemeint hat, als er sagte, dass die Bibel eigentlich wie unser Handy/Smartphone sein sollte: Ohne Handy geht kaum einer aus dem Haus. Wir kehren um, wenn wir es vergessen haben. Wir schauen x-mal am Tag hinein, um keine Nachricht zu verpassen. Ja, vielleicht sollten wir mal für eine Woche das Handy mit der Bibel tauschen – schließlich haben wir die Nachrichten darin noch nicht alle gelesen …

 

Was meinen Sie? Der herrliche Kräuterduft des Sommers verändert so manchen trüben Gedanken. Kräuter machen unser Essen wohlschmeckend und sie können heilen… Und die Bibel …

 

Ihnen gute Sommertage, und vielleicht treffen wir uns ja mal beim „Kräutlein reiben“ in unserem schönen Bibelgarten

 

Ihre

Andrea Elisabeth Diederich

 

 

Drei Kräutlein (Monatssprüche) für Sie zum „Reiben“:

 

Juni:

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg 5,29)

 

Juli:

 „Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.“ (Phil

1,9)

 

August:

„Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein.“ (Apg 26,22)