Angedacht

Liebe Leserin,

lieber Leser,

 

Kennen Sie das Buch: „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“? Ich war Teenager, als ich es geschenkt bekam und ich war fasziniert. Da war die kleine Anna, grad mal sechs Jahre alt, und sie hat einen erstaunlichen Umgang mit Gott. Sie war Beraterin und persönliche Freundin von Gott, eigentlich von Mister Gott, denn da die Engel offensichtlich Englisch sprechen, war anzunehmen, dass ihr oberster Herr das auch tat. Also nannte sie ihn eben Mister Gott. Es gab nichts, was sie nicht mit ihm besprach und durchdachte. So kannte sie z.B. den Unterschied von einem Menschen und einem Engel: Das meiste von einem Engel ist innen, und das meiste von einem Menschen ist außen.

 
Die Kleine faszinierte mich, nicht nur, dass Gott ganz selbstverständlich abends einen Gutenachtkuss in die Luft bekam, nein, es war ihre Art, wie sie mit Gott umging. Mit dem, was ich unter Gebet bisher verstand, hatte das wenig zu tun. Es war so direkt, so authentisch, so voller Tiefe. Ihr war einfach klar, dass man Gott schlecht vergleichen kann, „weil…, ich meine, es gibt keine zwei Mister Gotts, und darum kannst du nicht vergleichen, ob er groß ist.“.Und ihr war klar, dass er da ist, immer und sie bei sich da sein lässt. Gerne hätte ich gelauscht, wenn sie mit Gott redet, denn das Buch gab eigentlich nur die Gespräche von Anna mit Fynn wieder.

 
Anna beobachtete und verstand auf ihre Weise. Ich stelle mir vor, dass sie sah, dass die Menschen ganz unterschiedlich sind: die Eine traumhaft schön, der Andere froh, wenn er die Treppe überhaupt hinunter kommt. Einer konnte hinhören, ein  Anderer redet, dass das Herz einem ganz leicht wird. Eine Frau stützt liebevoll einen Anderen, der Andere muss sich stützen lassen. Ein Anderer kann ein Auto wieder zusammensetzen…sie beobachtete und es formte sich in ihr eine Frage. Eine Frage, auf die sie dann bei ihrem Freund Mister Gott eine Antwort findet. Vielleicht diese:
„Jeder, der stürzt, braucht einen, der ihn hält. Jeder, der weint, einen, der ihn tröstet. Jeder, der reden kann, einen, der ihm zuhört. Jeder, der sitzt, einen, der ihm seinen Stuhl baut. Für jede Gabe, die Gott gibt, gibt es einen Menschen, dem sie dient.“ Bestimmt würde sie erst einmal schweigen und dem nachsinnen. Und bald würde sie dann weiter fragen: Mister Gott, und was freut dich daran? "Wenn sie den sehen, dem sie dienen können und das sehen, was sie nicht haben. Wenn sie überlegen: Was kann ich bringen? Und vergessen: Was bringt es mir? Wenn sie Tänzer sehen und sich verzaubern lassen von dem, was andere besser können. Wenn sie geben und nehmen und wenn sie erkennen, dass ich es bin, der allen damit alles gibt – immer.“

 
„Fynn“, würde sie sagen,“ auch die Menschen kann man nicht vergleichen. Es gibt nur eine Anna und einen Fynn. Und alle zusammen sind sie Gott. Fynn, warum schauen Menschen auf das Ich und nicht auf das Zusammen?“ Fynn hätte mal wieder Mühe, ihrer inneren Weisheit zu folgen, und Anna würde wieder mit Mister Gott lachen und sich freuen.

 

Ja, Anna faszinierte mich, ihre kindliche Weisheit, wie sie ganz Gottes Kind ist, ohne Singsang und schöne Worte, ganz echt und auch mal ganz schön unangepasst. Denn damals habe ich angefangen zu verstehen, dass wir alle solche Gotteskinder sind, die die Welt um sich und Mister Gott entdecken dürfen. Und dass
es herrlich ist, mit ihm zusammen sich alles anzuschauen und mehr und mehr verstehen zu dürfen, warum die Dinge so aus Gottes Hand kommen und was er damit auf dem Herzen hat. Ja, auch dass man dabei ganz herzlich mit Mister Gott lachen kann. Vor allem aber habe ich eines verstanden: Mit Gott kann man reden. Also wirklich reden. Frage und Antwort, oder auch mal eine Gottesantwort, zu der ich dann erst noch die Frage finde.
Mit Gott kann man wirklich reden. Kennen Sie das auch? Vielleicht fragen Sie mal wieder Gott: Hast du gerade Zeit für mich? Ich bin sicher, Gott antwortet lächelnd: „Immer, -immer, wenn du sie hast …“

 

Ihnen allen eine gesegnete Zeit!

 

Ihre

 

Pfarrerin Andrea E. Diederich