Angedacht

Liebe Leserin,

lieber Leser,

 

es geht endlich ins Frühjahr rein! Die kurzen Tage werden spürbar wieder länger. Die Kälte der vergangen Winterta-ge zieht sich langsam, aber sicher zurück und die ersten Vögel singen morgens munter ihr Lied. Und erste Knospen sind - wenn auch nur zaghaft - zu erahnen. Herrlich, diese Vorboten des Frühlings! Denn auch wenn es so aussieht, als ob in der dunklen Jahreszeit alles nur ruht, so ist die Natur im Innern doch aktiv und plötzlich bricht aus einem starren, scheinbar toten Zweig neues Leben hervor und blüht fast trotzig gegen Wind und Wetter an. Neues Leben, Hoffnung, Auferstehung - diese Worte gehen mir durch den Kopf, wenn ich so durch den Kurpark laufe.

 
Auch in unserem Alltag machen wir diese Erfahrung. Manchmal liegt das Leben brach. Man fühlt sich müde, kraftlos, überrollt von den Ereignissen. Versinkt im Arbeitsstress, in der Einsamkeit, in der Trauer um einen geliebten Menschen. Und plötzlich Lebensmut, ein Hoffnungsschimmer, Licht im Dunklen. Davon erzählt die Ostergeschichte. 

  
Denn auch zu Ostern gehören die vorangehenden dunklen Tage. Kein Ostern ohne Karfreitag. Jesus Christus geht den Weg ans Kreuz, geht an den Rand des Lebens, erfährt tiefste Demütigung und Kränkung- bis in den Tod. Ver-zweiflung und das dunkle Tal kennt er nur zu gut: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Diese Worte aus Psalm 22 zeigen, dass Jesus Christus selbst in den tiefsten menschlichen Abgründen gewesen ist. Doch Gott hat ihn auferweckt.

 
Der Glaube an die Auferstehung wurzelt in abgründiger Hoffnungslosigkeit. Wer diese nicht kennt, wer alles hat, der streckt sich nicht verzweifelt nach Gott aus. Auferstehungsglaube nährt sich aber eben von solchen Erfahrungen, dass sich Dinge wider Erwarten zum Guten, zum Leben wenden. 

 

Wir alle kennen solche Erfahrungen. Dinge, die ausweglos erscheinen und sich dann doch noch zum Guten wenden. Ich denke da an meine gute Freundin, die lange Jahre depressiv ist und kaum das Haus verlassen kann und plötzlich fasst sie neuen Lebensmut, ruft an, erzählt von ihrer Therapie und dass es bergauf geht nach langen Jahren in der Dunkelheit.

 
Ich denke da an den älteren Herrn von nebenan zu meinen Studienzeiten in München, der immer nur qualmend in seiner kleinen Wohnung saß und nach dem Tod seiner Frau keinen Lebensmut mehr fand. Und eines Tages geht die Tür auf und er hat einen kleinen Hund bei sich. Der Hund hat den Mann verändert, ihm Lebensfreude und auch ein paar neue Kontakte beschert.

 
Das alles sind Auferstehungsspuren im Alltag. Damals und heute.
Auch in der Bibel hören wir von Menschen, die diese Erfahrung teilen. Im Alten Testament singt Hanna davon, wie Gott hilft und ihre Welt verwandelt- als sie nach langer Kinderlosigkeit endlich ihren Sohn Samuel bekommt. (1. Sam 2, Lk 1) So wird später auch Maria singen, als sie ihr Kind Jesus erwartet. Worte, die schon so lange vor uns gebetet wurden. Wir müssen sie nicht neu erfinden. Nur einstimmen. Daraus wird ein großer machtvoller Gesang. An Ostern können wir ihn wieder neu versuchen. Unsere Sehnsucht nicht verschweigen. Denn wir dürfen Gott vertrauen. Ostern ist Gottes Einspruch gegen alles, was tot und erstarrt ist, und es wird wahr, was wir nicht zu hoffen wagen: Am Ende blüht uns nicht der Tod, sondern das Leben.

 

Ihre
Maria Soulaiman, Vikarin