Angedacht

Liebe Leserin,

lieber Leser!

 

Endlich dürfen Sie die Arche verlassen, Menschen und Tiere. Wochenlang war es für sie richtig eng, oft hat der Alltag miteinander sie alle an Grenzen geführt, manchmal auch die Langeweile. Nicht selten sorgte die fehlende Zuversicht für schlechte Stimmung an Bord. Werden wir da jemals rauskommen? Und wenn ja, was wird uns erwarten?


Als sich dann die Arche öffnete, wie hat es sich für ihre Bewohner angefühlt? Die einen sind vielleicht gleich los-gezogen, voller Freude und Energie. Andere haben ihre ersten Schritte eher zögerlich und vorsichtig gesetzt, so als trauten sie dem Frieden nicht recht.


So ähnlich wie die Bewohner der Arche fühlen wir uns in diesen Tagen. Die einen möchten möglichst schnell wieder zurück zur Normalität: einander begegnen, shoppen, feiern, reisen oder auch einfach nur wieder arbeiten können. Die anderen trauen den neuen Lockerungen noch nicht so recht. Was, wenn die neue Freiheit zu allzu großer Sorglosigkeit führt, ich neu der Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus ausgesetzt werde?


Vielleicht gehören Sie aber auch zu denen, die sagen: Eigentlich will ich gar nicht zurück zur Normalität. Denn mal ehrlich, das, was vor Beginn der Pandemie im Allgemeinen als normal empfunden wurde, war doch schon lange nicht mehr normal. Sie meinen damit, dass der Mensch in vielem überzockt hat und über das hinaus gegangen ist, was für das Leben gut war. Oft gar kein Gespür mehr für das hatte, was wichtig ist und was unwichtig, was gesund und was ungesund ist - für ihn selbst, für andere, für die Schöpfung. Ja, vielleicht haben wir uns vor der Pandemie an zu viel gewöhnt, was angeblich sein muss und doch oft genug die Luft und die Lust geraubt hat.


Viele haben in diesen Wochen für sich entdeckt, es gibt auch andere Dinge, die mich erfüllen: das intensive Erle-ben der Natur vor der Haustür, selber kochen und gemeinsame Mahlzeiten, Briefe schreiben, telefonieren und sich um andere mehr kümmern. In diesen Wochen der Einschränkungen haben wir gelernt, dass vieles geschehen kann, was wir vorher nicht für möglich gehalten haben.

 

Für manche ist diese Erfahrung negativ besetzt. Viele haben aber auch etwas für sich entdeckt, was sie bereichert hat. In diesem „Im Gespräch“-Heft werden Sie immer wieder zu lesen sein: Positive Erfahrungen von Menschen in dieser Zeit.


Bleibt zu hoffen, dass bei jedem Einzelnen und auch in unserer Gesellschaft sich Werte und Wichtigkeiten bleibend verschieben. Fragen nachgegangen wird, wie: Was gibt meinem Leben Sinn? Wieviel Freiheit brauche ich wirklich? Wieviel Verantwortung bin ich bereit, für mein Leben zu übernehmen und wo möchte ich mich für andere einbringen? Gesundheit, was bedeutet sie uns, was sind wir bereit, dafür zu investieren und haben wir dabei auch die Gesundheit der gesamten Schöpfung im Blick?


Für Noah und die Geschöpfe in der Arche war klar, ein Zurück zur alten Normalität, gibt es nicht. Nach der Sintflut mussten, nein, durften sie neu anfangen. Und auch Gott war klar, ein Zurück gibt es nicht. Auch er fängt neu an. Er schaut mit einem anderen Blick auf seine Geschöpfe, sagt: Ich will die Schöpfung mit und von welcher der Mensch lebt nicht mehr vernichten, sondern bewahren. Gott schließt einen ewigen Bund mit allem, was lebt. Und er besiegelt sein Versprechen mit einem Zeichen, das man immer wieder und überall sehen kann, dem Regenbogen. Diese Tage war das für uns so wunderbar zu sehen: Der Regenbogen als Erinnerung daran, dass Gott es gut meint mit uns und seiner Schöpfung.

 

Behüt` Sie Gott. Ihre
Susanne Ohr

 

Gott gebe dir für jeden Sturm einen Regenbogen,
für jede Träne ein Lachen, für jede Sorge eine Aussicht
und eine Hilfe in jeder Schwierigkeit.
Für jedes Problem, das das Leben schickt, einen Freund, es zu teilen,
für jeden Seufzer ein schönes Lied und eine Antwort auf jedes Gebet.

Altirischer Segenswunsch