Aus dem Alltag gegriffen

Das Lächeln

Es sind oft die kleinen Dinge, die uns das Leben leichter, schöner machen. So wie das Lächeln. Nicht das große, breite, laute Lachen, Herauslachen, Auslachen oder Anlachen – nein, das kleine Lächeln, das sich in den Augen zeigt und im kurzen Anheben der Mundwinkel. Das Lächeln, das Freundlichkeit, Wärme, Nähe, Bereitschaft zur Aufnahme von Kontakten und Begegnungen signalisiert.

Rein wissenschaftlich betrachtet regt ein Lächeln die Ausschüttung von Endorphinen an, diesen Glückshormonen, die beispielsweise auch durch Sport und Bewegung ausgelöst werden. Das wiederum kann eine regelrechte positive Spirale auslösen: Wenn wir lächeln, signalisieren wir unserem Gehirn, dass es uns gut geht; wenn es unserem Gehirn gut geht, signalisiert es uns, noch mehr zu lächeln. Zudem wirkt ein Lächeln positiv gegen Ängstlichkeit und soll sogar den Blutdruck senken. Und schließlich ist Lächeln ansteckend und löst den Wunsch aus, zurückzulächeln, die Geste zu erwidern. So rät denn auch ein Zitat: „Wenn Du jemanden ohne Lächeln siehst, schenk ihm eines von Dir.“

Ein solches Lächeln fällt uns natürlich immer dann besonders leicht, wenn es uns selbst gut geht, wenn wir gut drauf sind, wenn wir gerade etwa erlebt haben, das unsere Stimmung hebt, das in uns schon ein Glücksgefühl ausgelöst hat, ohne dass wir zuvor lächeln mussten. Dann ist der Weg vom Lächeln zum Lachen sogar recht kurz. Und wir verschenken in Hülle und Fülle das, was nicht nur uns, sondern auch anderen ein Hochgefühl geben soll.

Doch ein Lächeln ist wie ein scheues Reh. Kaum tauchen Schwierigkeiten oder Probleme auf, versteckt es sich und es kostet einiges an Überredungskunst, das Lächeln wieder hervorzulocken. Doch gerade dann ist Lächeln so wichtig, das Lächeln, das aus der Erkenntnis kommt, dass eben ohne dieses Lächeln alles nichts ist. Lächeln ist lebensnotwendig, ist Lebenselixier und Lebensöffner zugleich. Charlie Chaplin, der Komiker, dem wir so viel Lachen verdanken, hat gesagt: „Wenn Du lächelst, ist das Leben lebenswert.“ In ärmsten Verhältnissen aufgewachsen, früh auf tragische Weise Vater und dann auch noch die Mutter verloren, ins Waisenhaus gekommen und mit 13 Jahren schon die Schule verlassen, um überleben zu können – da braucht es schon viel „Überredungskunst“, um das Lächeln aus seinem Versteck zu locken und es zudem noch anderen zu schenken, dass auch sie lächeln können. Um es mit den Worten eines anderen Komikers, C. Fields, zu beschreiben: „Beginn jeden Tag mit einem Lächeln und bring ihn hinter Dich.“ „Das Leben ist wie ein Spiegel. Lächle, und es lächelt zurück,“ hat die Friedensaktivistin Peace Pilgrim gesagt. Genau das brauchen wir jetzt: das Lächeln, jetzt in Zeiten totaler Verunsicherung, in Zeiten, in denen es weitaus mehr Fragen als Antworten gibt und in denen uns die wenigen Antworten noch mehr verunsichern. Antworten wir richtig: mit einem Lächeln, das wir uns gegenseitig schenken und machen wir uns dadurch Mut, so wie es Leonardo da Vinci von dem so wertvollen Gesichtssignal gesagt hat: „Hoch auf die, die auch im Leid noch lächeln.“

Manfred Gittel